
Georg Leonhard Hopf
1799–1844
Braute erstmals in Berlin bayerisches Bockbier und gründete 1838 die Bockbrauerei.




Berlin · Kreuzberg · Bergmannkiez
Vom ersten Bockbier Berlins zum modernen Büro- und Wohnstandort – eine Familiengeschichte über Generationen im Herzen des Bergmannkiezes
Das Gelände der Bockbrauerei begleitet mich und meine Familie seit vielen Jahrzehnten. Schon als Kind habe ich hier mit meinem Vater in den alten Kellergewölben Verstecken gespielt. Heute, viele Jahre später, bin ich selbst Unternehmer und durfte diesen Ort aktiv weiterentwickeln.
Was heute ein attraktiver innerstädtischer Büro- und Wohnstandort in bester Kreuzberger Lage ist, blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Bereits im 19. Jahrhundert braute Georg Leonard Hopf hier das erste Bockbier Berlins. Nach der Einstellung der Bierproduktion 1920, den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und wechselnden Nutzungen begann 1955 ein neues Kapitel: Mein Großvater Walter Mann erwarb das Grundstück für die bereits 1918 gegründete Spedition seines Vaters Albert Mann.
Später führten meine Eltern, Werner Kasten und Hannelore Kasten-Mann, die Spedition, bevor sie 1988 die Spedition verkauften und sich der Verwaltung und behutsamen Weiterentwicklung des Areals widmeten.
Ab 2003 durfte ich selbst Verantwortung übernehmen. Mit viel Respekt vor dem Bestand, aber auch mit dem Anspruch, Neues zu schaffen, wurde das Schwank-Haus umfassend saniert, der Hof neu geordnet und aus dem Gewerbehof Schritt für Schritt ein lebendiger Bürostandort entwickelt.
2016 folgte mit dem Verkauf eines Großteils des Geländes an Bauwert ein weiterer Meilenstein. Mir war wichtig, einen Teil des Areals im Familienbesitz zu halten und gemeinsam einen Ort zu schaffen, der zur typischen „Kreuzberger Mischung" aus Arbeiten und Leben passt. Das Ergebnis ist ein Büro- und Wohngebäude, das 2026 fertiggestellt wird – mit viel Liebe zum Detail und einem klaren Blick auf die zukünftigen Mieter.
Mit unserem Immobilienberatungsunternehmen kehren wir 2026 dauerhaft an diesen Ort zurück. Für mich schließt sich damit ein Kreis. Diese Webseite erzählt die Geschichte dieses besonderen Geländes – und den Weg, den wir als Familie über Generationen hinweg gegangen sind.

Die Entstehung und Entwicklung der Bockbrauerei ist vor allem eine Geschichte aus ambitionierten Zielen, wirtschaftlichen Wagnissen und kühnen Entscheidungen. Immer hatten daran einzelne Personen maßgeblichen Anteil.
Diese Menschen prägten den Ort – als Gründer, Unternehmer, Eigentümer, Betreiber und Entwickler.

1799–1844
Braute erstmals in Berlin bayerisches Bockbier und gründete 1838 die Bockbrauerei.

Mitinhaber bis 1861
Sohn der Witwe Hopfs aus erster Ehe. Führte die Bockbrauerei gemeinsam mit Johann Martin Deibel und der Mutter weiter.

Mitinhaber bis 1861
Führte die Bockbrauerei gemeinsam mit Carl Heinrich Deibel bis zum Verkauf des Unternehmens 1861.

1879–1941
Gründete 1918 die gleichnamige Spedition, die später eng mit dem Gelände der ehemaligen Bockbrauerei verbunden wurde.

1906–1974
Führte die Spedition seit 1929 und kaufte 1955 Teile des Betriebsgeländes der Bockbrauerei. Auf dem Foto (v. l.): Walter Mann, seine Tochter Hannelore Kasten-Mann und seine Frau Edith Mann.

1974–2003
Das Ehepaar übernahm 1974 gemeinsam die Leitung der Spedition und die Verwaltung des Grundstücks. Anfang der 1990er Jahre begann unter ihrer Führung die behutsame Sanierung des Geländes.

Sohn von Hannelore Kasten-Mann und Werner Kasten. Trieb ab 2003 die schrittweise Sanierung des Geländes weiter voran.
Von der Gründung 1838 bis zur Fertigstellung des Hauses Kasten-Mann 2026 – eine Reise durch fast zwei Jahrhunderte Berliner Geschichte
Noch um 1800 war die Gegend freies Feld, das zum Dorf Tempelhof gehörte. Auf dem Tempelhofer Berg stand eine Reihe von Windmühlen. Der heutige Mehringdamm existierte bereits lange als Landstraße und verband die damalige Doppelstadt Berlin-Cölln mit Dresden. Die heutige Bergmannstraße hieß bis 1837 Weinbergsweg – ein Verweis auf den früheren Weinbau auf der Tempelhofer Anhöhe. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war über die Entwicklung der Region als südliches Stadterweiterungsgebiet noch nicht entschieden.
Nach Aufstellung des Kreuzberg-Denkmals 1821 entstanden in seiner Nähe eine Sommerhauskolonie und ein Vergnügungspark namens Tivoli. Viele Berliner unternahmen hierher ihren Sonntagsausflug vor die Tore der Stadt. Am Weinbergsweg, der heutigen Bergmannstraße, hatte man ab 1825 begonnen, Friedhöfe anzulegen. Am Südrand der Anhöhe, südlich der heutigen Schwiebusser Straße, erstreckte sich das Tempelhofer Feld, welches bereits seit 1722 als Exerzier- und Paradeplatz der Berliner Garnison genutzt wurde. Nur sehr wenige Menschen wohnten in der näheren Umgebung, sodass in der Gegend Fabriken angesiedelt werden konnten, für die es innerhalb der Stadt bereits keinen Platz mehr gab. Den Anfang machte ein chemischer Betrieb. 1838 folgte der Neubau einer Brauerei, der Hopf’schen Bock-Brauerei.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfreute sich das bayerische, untergärige Bier auch in Berlin wachsender Beliebtheit – es galt der damals populären, obergärigen Berliner Weißen qualitativ deutlich überlegen. Untergäriges Bier reift bei niedrigen Temperaturen langsam aus, wird klarer, haltbarer und geschmacklich runder. Mit seinem Betrieb am Oranienburger Tor war Georg Leonhard Hopf der erste Brauer in Berlin und im Norden Deutschlands, der untergäriges Bier produzierte. Die Nachfrage wuchs so stark, dass er seine Kapazitäten vergrößern musste: 1838 erwarb er vom Preußischen Kriegsministerium für 800 Taler „Preußisch Courant“ das etwa vier Morgen große Grundstück am Tempelhofer Berg und errichtete dort eine neue, moderne Brauerei.
Der entscheidende Unterschied zur obergärigen Berliner Weißen lag in der Hefe und den Gärtemperaturen: Untergärige Hefe arbeitet bei 4–9 °C am Boden des Sudes, obergärige Hefe bei 15–20 °C an der Oberfläche. Das untergärige Verfahren war in Berlin neu und bedeutete einen Qualitätssprung. Zur Brauerei gehörten daher die für untergäriges Bier wichtigen, mit Natureis auf maximal zwei Grad gekühlten Kellerräume. Zur Herstellung von zehn Hektolitern Bier waren mindestens eintausend Tonnen Eis erforderlich, sodass etwa ein Viertel der insgesamt verfügbaren Lagerflächen allein für das Eis gebraucht wurde. Zudem sorgten ausgeklügelte Luftzirkulations- und Entlüftungsanlagen dafür, dass die Temperatur konstant blieb. Das Grundstück wurde in den folgenden Jahren mehrfach vergrößert.
Etwa Ostern 1839 soll am Tempelhofer Berg das erste Bockbier ausgeschenkt worden sein – das erste, das je im Norden Deutschlands gebraut wurde. Die Berliner folgten dem Aufruf und zogen in Massen vor die Stadt, um, inmitten schlichter Bauten und groben Mobiliars, das beliebte Bier zu trinken und gesellig beisammen zu sein. Ein Jahr später, ab Frühjahr 1840, zelebrierte Hopf den jährlichen Bockanstich und etablierte damit die bayerische Tradition der Bockbierfeste in Berlin.
Zunächst wurde das Bier nicht direkt aus dem Fass ins Glas gezapft, sondern kam in Keramikkannen auf den Tisch, dazu gab es kleine Becher zur Selbstbedienung. Aus einer 1913 erschienenen Festschrift: „Wie bescheiden die damaligen Bockbesucher in ihren Ansprüchen gewesen sind, möge daraus hervorgehen, daß in dem sogenannten Garten der Brauerei, der in Wahrheit nur ein baumloser, wüstenähnlicher Sandplatz war, einige sehr geschmacklose Bretterschuppen, die man stolz als Hallen bezeichnete, sowie rohgezimmerte, in der Erde stehende Tische und Bänke allein für die Bequemlichkeit der Gäste sorgten.“ Es war genau die Zeit, in der – einem bayerischen Vorbild folgend – auch in Berlin die ersten Biergärten aufkamen; der erste Berliner Biergarten, der Pratergarten, hatte 1837 eröffnet.
„Von Sonntag, den dritten Mai an wird in meiner Bierbrauerei auf dem Tempelhofer Berge das Bayrische Bier in Gläsern verabreicht. G. Hopf.“
— Anzeige im Berliner Intelligenz-Blatt, 30. April 1840

1840 wurden in der Hopf’schen Bockbrauerei rund 4.050 Hektoliter Bockbier hergestellt. Bockbier ist ein Starkbier mit höherem Stammwürzgehalt – die Maische ist dickflüssiger, da weniger Wasser hinzugegeben wird. Sein Ursprung liegt im Mittelalter in der niedersächsischen Hansestadt Einbeck, deren obergäriges Bier als Luxusware bis nach Italien geliefert wurde.
Einbeck erhielt 1240 zusammen mit dem Stadtrecht auch das Braurecht. Die dafür erforderliche Haltbarkeit erreichte man mit einem hohen Stammwürzgehalt, der das Bier zu einem schweren, alkoholreichen Getränk machte. Auch der herzögliche Hof der Wittelsbacher in München ließ sich seit 1555 aus Einbeck beliefern, bis 1573 auf der Landshuter Burg Trausnitz das erste bayerische Hofbräuhaus gegründet wurde, das man 1589 nach München verlegte. 1614 wurde der Braumeister Elias Pichler aus Einbeck abgeworben, um sein „Ainpöckisch Bier“ in München zu brauen. Später machte die bayerische Mundart daraus die Bezeichnung „Oanpock“ und schließlich „Bockbier“. Dass zur Kenntlichmachung später bis heute Darstellungen männlicher Huftiere verwendet werden, hat mit dem Ursprung der Biersorte nichts zu tun.
Nach den anfänglichen Erfolgen zerstörte 1842 ein Brand den größten Teil der oberirdischen Gebäude. Die Produktion kam zum Erliegen. Doch der ehrgeizige Hopf schaffte es, mit den in kürzester Zeit neu errichteten Bauten den Betrieb noch im selben Jahr wieder aufzunehmen. Zwei Jahre später, am 30. April 1844, verstarb Georg Leonhard Hopf – angeblich an den Spätfolgen der Anstrengungen beim Löschen des Brandes.
Das Unternehmen ging an seine Witwe und an deren Söhne aus erster Ehe, Carl Heinrich und Johann Martin Deibel, über. In deren Regie wurden in den folgenden Jahren verschiedene Erweiterungen des Geländes und mehrere Neu- und Umbauten vorgenommen, um die Produktionskapazitäten erneut zu erhöhen und bessere gastronomische Voraussetzungen zu schaffen.

Unter der Regie der Witwe Hopfs und ihrer Söhne Carl Heinrich und Johann Martin Deibel wurde die Brauerei mehrfach erweitert. 1855 wurde von Hand- auf Dampfbetrieb umgestellt, der Ausschankgarten 1856 vergrößert und eine Restauration eingerichtet. 1860 erreichte die Jahresproduktion des Lagerbieres mit ca. 15.000 Hektolitern fast die Hälfte des gesamten in Berlin produzierten Weißbieres.
Die Leitung der Restauration übernahm der Gastwirt Georg Friedrich Segebrecht. In dieser Zeit nahm der Konsum bayerischen untergärigen Biers in Berlin immens zu.
Der jährliche Bierausstoß war auf über 20.000 Hektoliter angestiegen, als die Gebrüder Deibel das Unternehmen im Oktober 1861 für 210.000 Taler an den Hotelbesitzer Ludwig Friedrich Ehrenreich verkauften. Danach wurden die Firmengebäude erneut erweitert.
Ein Versicherungsvertrag aus dem Jahr 1861 dokumentiert die damalige Bebauung: ein viergeschossiges Brauereigebäude, ein Stallgebäude, ein Kesselhaus, ein Magazingebäude mit Anbauten, zwei Eiskeller, zwei Kühlhäuser, ein Spritzenhaus, ein Schweine- und ein Geflügelstall sowie auf dem westlich angrenzenden Ausschankgelände ein Saalgebäude mit Anbauten, zwei Büffets, ein Apartmentgebäude und ein Wohngebäude mit Veranda.
Am 17. Dezember 1869 stürzte bei einem starken Sturm der noch neue, 96 Fuß (knapp 30 Meter) hohe Schornstein ein. Die Untersuchungen ergaben eine „ungenügende Tiefe der Fundamente“. Im darauf folgenden Jahr wurde ein neuer Schornstein gemauert – mit stärkerem Fundament und nur noch 85 Fuß, etwa 26 Meter hoch. Er steht bis heute an der Bauflucht der Schwiebusser Straße.

Am 16. Februar 1871 verkaufte Ehrenreich die Bockbrauerei für 760.000 Taler – fast den vierfachen Preis der früheren Kaufsumme – an ein Konsortium, zu dem unter anderem Dr. Otto Hübner, der Fabrikant Hermann Reimann, Justizrat Johannes Justus Geppert sowie die Bankiers Julius Alexander und Meyer Cohn gehörten. Noch im April desselben Jahres wurde das Unternehmen in die Berliner Bock-Brauerei Actien-Gesellschaft umgewandelt.
Den Vorstand übernahmen die Kaufleute Hermann Reimann und Robert Rhens. Rhens, als geschäftsführender Direktor, wohnte ab 1873 selbst auf dem Grundstück, in einem Anbau an der Westseite des Brauereigebäudes. 1877 löste ihn der Kaufmann Haenel als Direktor ab. Zwar war der Absatz nach 1871 auf über 50.000 Hektoliter angewachsen, aber mit beginnender Wirtschaftskrise hatten die steigenden Dividenden vieler Brauereien eine sinkende Bierqualität zur Folge. Die minderwertigen Biere wurden boshaft „Dividendenjauche“ genannt, und auch die Berliner Bock-Brauerei AG geriet dadurch in Verruf. Produktion und Erträge gingen 1874 deutlich zurück, begonnene Bauten blieben aus Geldmangel liegen.
In den Jahren 1883 und 1884 wurden umfangreiche Erweiterungsbauten vorgenommen. Es entstanden ein neuer Lagerkeller, ein Eishaus und eine Ladehalle; östlich des Mühlengrundstücks wurde eine Schmiede- und Böttcherwerkstatt erbaut. Im Mauerwerk im Einfahrtbereich war eine Steinplatte mit der Aufschrift „Erbaut 1883“ zu sehen. 1884 war der Bierausstoß auf 80.000 Hektoliter angestiegen.
1884 wurde ein „Eishebewerk“ installiert, um das Eis aus dem Eishaus in den Lagerkeller zu befördern. Das Hebewerk bestand hauptsächlich aus einer endlosen, gegliederten Kette, die oben und unten um Achtecktrommeln geführt wurde. Die Kette besaß eimerförmige Gefäße, die durch den unteren Aufnahmekasten geführt wurden, wo sie sich mit Eis füllten; oben angelangt wurde das Eis über eine eiserne Rutsche in den Lagerkeller geschüttet. 1890 kamen ein zusätzlicher Pferdestall und eine neue Böttcherwerkstatt hinzu, und die Schmiede wurde vergrößert. Unter Direktor Carl Wilhelm Röhrig stieg der Bierausstoß 1895/96 auf über 90.000 Hektoliter; 1897 entstand ein zusätzliches Kesselhaus mit Dampfschornstein. 1899 fusionierte die Brauerei mit der Norddeutschen Brauerei AG, der Ausstoß steigerte sich auf 213.000 Hektoliter. 1905 entstand nach Entwürfen der Architekten Lachmann und Zauber der Neubau des Schwankhauses.
Neben Vergnügungen wurden die Säle der Bockbrauerei auch politisch genutzt. Insbesondere für die Berliner Arbeiterschaft und die sich entwickelnde Sozialdemokratie wurde die Bockbrauerei zu einem wichtigen Versammlungsort. Bei einem Arbeiterfest anlässlich des aufgehobenen Sozialistengesetzes trat am 30. September 1890 im überfüllten großen Saal August Bebel, Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie, als Redner auf.
Eine besondere Attraktion war der 1892 im Ausschankgarten errichtete vierzig Meter hohe Aussichtsturm. Die eiserne Konstruktion war möglicherweise vom Pariser Eiffelturm inspiriert, verfügte über einen Fahrstuhl und lockte eine Zeit lang viele Besucher an. Bereits 1897 wurde der Turm wieder demontiert und abgerissen.
Der genaue Grund für den frühen Abriss ist nicht bekannt. Im selben Jahr wurde, da der Erwerb angrenzender Mühlengrundstücke nicht gelungen war, eine Grenzmauer aus Ziegelsteinen errichtet, die ebenfalls bis heute steht.
In der Saison 1911/12 war der Bierausstoß auf über 220.000 Hektoliter angestiegen – ein neuer Höchstwert in der Geschichte des Unternehmens. Damit erreichte die Berliner Bock-Brauerei AG nach Jahrzehnten kontinuierlicher Expansion ihren wirtschaftlichen Höhepunkt, bevor wenige Jahre später Krieg und Rohstoffmangel den Niedergang einleiten sollten.

Zum 75-jährigen Betriebsjubiläum am 8. Mai 1913 gab es noch Grund zum Feiern. Eine Festschrift erschien, die die bisherige Geschichte des Unternehmens mit unterhaltsamen Texten und zahlreichen Illustrationen wiedergibt. Um 1913 wurden vier Biersorten angeboten: Urbock-Versand, Urbock-Märzen, Original-Bockbier und Urbock-Lagerbier.
Schon ein Jahr später, mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges, begann die Zeit des wirtschaftlichen Niedergangs. Die in der Festschrift abgedruckte Karikatur eines „Urbock-Zukunftsbildes im Jahre 2000“ illustriert mit augenzwinkernder Ironie, wie selbstbewusst und zukunftsfroh sich das Unternehmen kurz vor dem Krieg präsentierte.








Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges begann der wirtschaftliche Niedergang. Wie alle anderen Industriezweige musste sich auch die Brauwirtschaft auf die Kriegswirtschaft umstellen. Die allgegenwärtige Rohstoffknappheit beeinträchtigte die Bierqualität – es konnte nur noch dünnes Bier mit geringem Stammwürzgehalt hergestellt werden. Zahlreiche Angestellte wurden zum Kriegsdienst eingezogen, Pferde und Wagen des Fuhrparks von der Militärverwaltung beschlagnahmt.
Bald darauf gingen auch die Produktionszahlen zurück. Mit Kriegsbeginn fanden die kulturellen Vergnügungen auf dem beliebten Ausschankgelände ein jähes Ende. Im Saalgebäude, wo vorher rauschende Feste gefeiert worden waren, wurde ein Reservelazarett eingerichtet. Auch die Fusion mit der Patzenhofer Brauerei am 14. November 1917, die eine Umbenennung in Actien-Brauerei-Gesellschaft Friedrichshöhe vorm. Patzenhofer, Abt. Südwest mit sich brachte, konnte das Unternehmen nicht mehr retten.
Am 12. Juli 1920 fusionierte das Unternehmen mit der Schultheiss-Brauerei. Der Betriebsteil hieß nun Schultheiss-Patzenhofer Brauerei AG, Abt. Südwest. Wenige Monate später wurde die Bierproduktion auf dem Gelände eingestellt – überwiegend wegen des kriegsbedingten Absatzrückgangs und des Rohstoffmangels. Nach 80 wechselvollen Jahren endete die Geschichte des Bockbiers aus der Brauerei am Tempelhofer Berg.
Die Schultheiss-Patzenhofer Brauerei AG war damals zwar die größte Brauerei in Deutschland, aber innerhalb dieses Firmenverbundes hatte die Bockbrauerei kaum noch eine wesentliche wirtschaftliche Bedeutung. Die nur in begrenztem Maße erhältliche Gerste wurde den wichtigeren Schultheiss-Abteilungen zugeteilt – darunter auch der Abteilung II in der ehemaligen Tivoli-Brauerei am nahen Kreuzberg.
Nach dem Ende der Bierproduktion entwickelte sich das Gelände zum Gewerbehof. Verschiedene Firmen mieteten sich ein, darunter mehrere Speditionen, eine Glasfabrik, mechanische und chemische Werkstätten sowie eine Bottich- und Fassfabrik. Wesentlichen Einfluss auf die noch heute vorhandene Bebauung hatte eine Autoreparaturwerkstatt, die 1932 einzog und sich nach und nach über das gesamte Gelände ausbreitete. 1936 wurde die zum Teil heute noch bestehende Auffahrtrampe gebaut.
Im November 1919 hatte die Patzenhofer Brauerei bei der Baupolizei die Freigabe rationierter Mauersteine und Zement für Umbauten an den Heizkesselanlagen beantragt: „Unsere Bitte begründen wir damit, dass wir infolge der (Stein-)Kohlennot bei den jetzt vorhandenen Kesselfeuerungen durch die Beschickung mit Braunkohle und anderen minderwertigen Brennmaterialien nicht genügend Heizkraft erzielen.“ Ein weiteres Argument waren häufige Beschwerden aus der Nachbarschaft „über unerträgliche Belästigung durch Ruß infolge der unvollkommenen Verbrennung der Braunkohle.“ Obwohl dem Antrag stattgegeben wurde, war er einer der letzten Versuche, den Brauereibetrieb am Laufen zu halten.

Im Frühjahr 1933 war der sechsundzwanzigjährige Johann Trollmann ein bekannter und beliebter Boxstar. Sein eigenwilliger, beweglicher Kampfstil sorgte für Aufsehen. Am 9. Juni 1933 gewann er in der Berliner Bockbrauerei den Meisterschaftskampf gegen den schwereren Adolf Witt nach Punkten. Doch Trollmann war Sinto. Wenige Tage später wurde ihm der Meistertitel außerhalb des Rings „wegen armseligen Verhaltens“ aberkannt.
Um die Niederlage Trollmanns perfekt zu machen, setzte der mit Nazis durchsetzte Boxverband einen Kampf gegen den Spitzenboxer Gustav Eder an und belegte Trollmann unter Androhung des Lizenzentzuges mit Verboten, die seinen Kampfstil einengten: Er durfte nicht tänzeln, keinen Reichweitenvorteil nutzen und nicht auf Distanz boxen. Austragungsort war erneut ein Saal der Berliner Bockbrauerei. Am 21. Juli 1933 erschien Trollmann mit blond gefärbtem Haar und weiß geschminktem Gesicht im Ring – als lächerliche Karikatur eines „arischen Deutschen“. Während des Kampfes stand er breitbeinig da, bewegte sich kaum und steckte die Schläge seines Gegners ein. Nach fünf Runden ging er K. o. Seine Boxkarriere war damit praktisch beendet. Später wurde er in das Konzentrationslager Neuengamme gebracht und im KZ-Außenlager Wittenberge vom Kapo Cornelius mit einem Knüppel erschlagen. 1993 wurde er offiziell als Deutscher Meister im Halbschwergewicht in die „Riege der Deutschen Meister“ aufgenommen.

Johann „Rukeli“ Trollmann



Spätestens ab 1933 nutzten die Nationalsozialisten das Produktions- und Vergnügungsgelände häufig für politische und militärische Zwecke. Bereits am 2. November 1925 hatte Joseph Goebbels im Saalbau einen Vortrag mit dem Thema „Lenin oder Hitler“ gehalten. Neben Tanz-, Theater- und Messeveranstaltungen fanden propagandistische Massenkundgebungen statt; auch Boxveranstaltungen wurden für die Propaganda instrumentalisiert.
Später wurde der Saal hauptsächlich als Sammelstelle für den Arbeitsdienst genutzt und ab 1939 als Musterungssaal für die Wehrmacht. Offenbar wurde auf dem Fabrikgelände auch für militärische Zwecke produziert: Die Eingangsschächte der ehemaligen Lagerkeller sind mit Bunkerbeton ummantelt, und auch die Hofdecke über den Kellern ist mit Spezialbeton von besonderer Härte überspannt.
Albert Mann gründete 1918 die gleichnamige internationale Spedition. Das Unternehmen war damals eine der wenigen Speditionen in Berlin, später die einzige, die auf den Transport großvolumiger Getränkefässer – vornehmlich voller Wein – spezialisiert war. Sein Sohn Walter Mann führte die Firma bereits seit 1929. Albert Mann verstarb nach langer Krankheit 1941.
Schon bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann in den noch brauchbaren Gebäuden eine Zwischennutzung durch Gewerbebetriebe. 1951 wurden die meisten Ruinen abgerissen. 1955 wurde das Grundstück geteilt und von der Schultheiss AG verkauft. Das frei geräumte Saalbau- und Gartengelände im westlichen Teil erwarb der Berliner Senat und bebaute es 1959 mit dem Richard-Weiß-Seniorenheim.
Das frühere Betriebsgelände der Bockbrauerei ging im September 1955 in den Besitz des Spediteurs Walter Mann, Chef der Spedition Albert Mann, über.

Die Fässer von Weingütern im In- und Ausland kamen am Güterbahnhof Yorckstraße an, wo die Firma ihren Sitz hatte, wurden in den ehemaligen Brauereikellern zwischengelagert und an die örtlichen Abfüller und Händler ausgeliefert. In den zwanziger und dreißiger Jahren wurde der innerstädtische Transport großenteils noch mit Pferdewagen absolviert – eine Wagenladung von Kreuzberg nach Spandau dauerte einen ganzen Tag.
Später kamen Kraftfahrzeuge zum Einsatz, und auch die Weinfässer von den Winzern in West- und Süddeutschland wurden zunehmend im Straßenfernverkehr nach Berlin gebracht. Während des Zweiten Weltkrieges war das Unternehmen weitgehend vom Kriegsdienst verschont geblieben, weil die Mitarbeiter als Bahnhofsräumer verfügbar sein mussten. Die sogenannten Bahnhofsräumer wurden gerufen, um die auf dem Schienenweg angelieferten Güter so schnell wie möglich vom durch Fliegerangriffe besonders gefährdeten Bahnhofsgelände abzutransportieren. Trotz dieser wichtigen Aufgabe wurden im Verlauf des Krieges mehr und mehr Lastwagen der Spedition beschlagnahmt.

Im September 1955 erwarb mein Großvater Walter Mann das frühere Betriebsgelände der Bockbrauerei für rund 300.000 Mark – damals eine erhebliche Summe und ein großes wirtschaftliches Wagnis angesichts der ungewissen Lage West-Berlins. Vor allem die Handhabung der schweren Wein- und Spirituosenfässer erforderte Spezialgerät und handwerkliche Erfahrung, über die in Berlin nur wenige Firmen verfügten. Nach der Teilung der Stadt war die Spedition Albert Mann schon bald die einzige Firma im Westteil, die diese Leistung anbot. Mit den ausgedehnten Kellergewölben der alten Bockbrauerei hatte das Unternehmen einen entscheidenden Standortvorteil.
Die konstanten klimatischen Bedingungen in den Kellern – Temperatur und Luftfeuchte – sind ideal für die Lagerung von Wein, damals wie heute. Insgesamt verfügte man über rund 4.000 Quadratmeter Kellerlagerfläche – in Berlin konkurrenzlos und auch heute noch selten, denn vergleichbare Bedingungen können nur durch Lagerbauten mit aufwendiger Klimatechnik erreicht werden. In den Kellergewölben lagerte damals auch eine Senatsreserve von über 50.000 Litern Wein und Spirituosen.
Das Grundstück war zwar günstig zu erwerben, stellte aber wegen der ungewissen außenpolitischen Situation auch ein wirtschaftliches Risiko dar. Walter Mann ging optimistisch ans Werk und veranlasste bis 1958 eine Reihe von Baumaßnahmen. Teile des ehemaligen Pferdestalls wurden wieder zu Garagen umgebaut, und auf dem Grundriss des abgetragenen Brauereigebäudes entstand der Neubau einer Lagerhalle. Westlich davon wurde ein ebenerdiges Bürogebäude errichtet.
1959 musste der zum alten Schwankhaus gehörende und noch in Betrieb befindliche Schornstein um vier Meter verkürzt werden, da die United States Air Force um die Flugsicherheit in der Nähe des Flughafens Tempelhof fürchtete. Bis 1960 wurde der Wiederaufbau weiterer Gebäudeteile für neue Nutzer vorangetrieben. Es entstanden etliche für die damalige Zeit typische Zweckbauten. Erneut zogen verschiedene Betriebe ein, darunter die Weinbrennerei und Likörfabrik Stück AG, die Papiergroßhandlung Johannes Klant, eine Rösterei mit Auslieferungslager von Jacobs Kaffee und später für einige Jahre die Weingroßhandlung Habel – das Unternehmen, bei dem der einstige Firmengründer der Bockbrauerei, Georg Leonhard Hopf, in den 1830er Jahren angestellt gewesen war.

Bis 1964 gelangte der Wein aus den westdeutschen Anbaugebieten und internationalen Regionen überwiegend in Fässern nach Berlin – und bis dahin liefen die Geschäfte für die Spedition ausgesprochen gut. Rund 70 Beschäftigte hatte das Unternehmen in seiner Blütezeit. In den nachfolgenden Jahren wurde das gesamte Stückguttransportwesen modernisiert: Hebebühnen, Gabelstapler und tauschfähige Europaletten verringerten den Aufwand, sodass die Personalstärke auf 30 Mitarbeiter sank.
Ab Mitte der 1960er Jahre begannen die Weingüter, ihre Produkte selbst in Flaschen abzufüllen. Für die Erzeuger war das wirtschaftlicher, für den Transport praktischer, weil Flaschen, in Kisten und Kartons verpackt und auf Paletten gestapelt, weitaus einfacher zu handhaben waren als schwere Fässer. Fässer und Fasstransporte kamen schließlich gänzlich aus der Mode. Für die Spedition Albert Mann bedeutete dies den Wegbruch eines bis dahin äußerst profitablen Geschäftes. So gab es noch lange Toni Stadler, einen langgedienten Mitarbeiter, der ein Halbstück – ein Fass mit 600 Litern Wein, über vierzehn Zentner schwer – mit einer ganz speziellen Grifftechnik leicht und sicher mit bloßen Händen umlegen konnte. „Es sah sehr einfach aus, aber niemand sonst in der Firma konnte das“, erinnert sich Werner Kasten.

Täglicher Betrieb der Spedition



Nicht nur Wein, auch Spirituosen machten in den unterirdischen Fasslagern der Bockbrauerei Station. Mit Tankzügen wurde polnischer und russischer Wodka aus Warschau und Moskau geholt und in der Bockbrauerei umgefüllt, darunter Zubrowka und Moskovskaja. Auch die Likör- und Spirituosenfabrik Fugger nutzte die Weinfässer im Keller, um Weinbrand herzustellen: Aus einer Brennerei bei Bremen wurde das Destillat geholt, ein halbes Jahr in den Eichenholzfässern gelagert und dann über eine unterirdische Pipeline zur Abfüllung in die Fabrik gepumpt.
Mitte der siebziger Jahre erreichte eine überraschende Anfrage die Spedition: Ob in den Kellern zwanzig Waggons – rund 1.500 Fässer – schottischer Whisky für drei Monate gelagert werden könnten. 300 Fässer wurden gleich verkauft, 1.200 180-Liter-Fässer mit insgesamt 216.000 Litern Whisky sollten zwischengelagert werden. Aus den drei Monaten wurden fast fünf Jahre. „Wir standen immens unter Druck. Laut Gesetz hätten wir als Spedition die Steuersumme von knapp zwei Millionen D-Mark zahlen müssen, nicht etwa der Eigentümer des Whiskys. Zum Glück, kurz vor Ende der Frist, gab es eine Lösung, und wir konnten die Ladung zum Freihafen nach Hamburg schicken“, so Werner Kasten. Beim Verladen stellte sich heraus, dass im Laufe der Jahre achtzig Fässer ausgelaufen waren.

Im Jahr 1965 heiratete der damals 27-jährige Werner Kasten die Tochter der Familie Mann, Hannelore Mann. Beide hatten sich während des Betriebswirtschaftsstudiums kennengelernt. Gemeinsam führten Werner Kasten und Hannelore Kasten-Mann die Spedition weiter; 1974 übernahm Werner Kasten die Leitung, als sich das Hauptgeschäft bereits auf Kartonware und Privatkunden verlagert hatte.
Anfang der Siebziger schaffte ein Fahrer noch rund 40 Kunden am Tag. 1987 kam er nur noch auf die Hälfte der Adressen und musste wegen der Parkplatznot ständig mit Strafzetteln und abgeschleppten Lastwagen rechnen. Es wurde immer schwieriger, profitabel zu arbeiten.
Bereits 1983 waren die zwei Fernlastzüge verkauft worden. 1987 verkaufte Werner Kasten schließlich auch die Spedition; die Spedition TransSylvana übernahm die Geschäfte und Räumlichkeiten. Das Grundstück blieb im Familienbesitz.

Lkw der Spedition vor dem Schwankhaus


Nach dem Verkauf der Spedition begann für das Gelände eine neue Phase. Anstatt einer radikalen Neuentwicklung entschied sich die Familie bewusst für einen behutsamen Weg: Die vorhandene Substanz sollte erhalten, Schritt für Schritt saniert und mit neuem Leben gefüllt werden. Über viele Jahre hinweg wurde Gebäude für Gebäude instand gesetzt, Lücken wurden durch Neubauten geschlossen und an unterschiedliche Nutzer vermietet.
So entwickelte sich das Areal organisch weiter – geprägt von Handwerk, Kreativwirtschaft, kulturellen Nutzungen und klassischen Gewerbebetrieben. Zu den langjährigen Mietern jener Jahre zählten die Emil Herminghaus GmbH & Co. KG, die Zwischenmeisterei Top DOB, die Oberlicht-Produktionsstätte der Firma Eberspächer, der Baustoff- und Fliesen-Großhändler Max Silkinat, die Theaterkulissenwerkstatt BVB Schwenke GmbH sowie eine Glaserei im Erdgeschoss des Schwankhauses. Mit dem Theater Zerbrochene Fenster e. V., Groove e. V. und dem PAC Percussion Art Center entwickelte sich das Quartier zugleich zu einem wichtigen Standort für Kulturschaffende. Parallel dazu wurde der Innenhof umfassend neu gestaltet und saniert, wodurch erstmals wieder eine zusammenhängende räumliche Qualität entstand.
Dirk C. Kasten, Sohn von Hannelore Kasten-Mann und Werner Kasten, übernahm ab 2003 Verantwortung für die schrittweise Sanierung des Areals. Unter seiner Leitung wurde die Entwicklung den Anforderungen des Marktes und den Ansprüchen moderner Mieter folgend vorangetrieben.
Die Entwicklung blieb bewusst schrittweise: vorhandene Substanz sichern, Gebäude modernisieren und neue Nutzungen ermöglichen, ohne den Charakter des Ortes zu überschreiben.
Zwischen 2003 und 2016 erfolgte eine der umfangreichsten Modernisierungsphasen in der Geschichte des Geländes. Sämtliche Fassaden wurden überarbeitet und instand gesetzt. Gleichzeitig wurden insgesamt 13 veraltete Ölheizungen – die älteste stammte aus dem Jahr 1973 – stillgelegt und durch eine zentrale, ökologisch nachhaltige Pelletheizanlage ersetzt. Damit wurde frühzeitig ein wichtiger Schritt hin zu einer ressourcenschonenden Energieversorgung vollzogen.
Dass die Gebäude und Räumlichkeiten seit Jahren nahezu pausen- und lückenlos vermietet sind, war der selbsterklärende Beweis für den Erfolg der Sanierung und des Betreiberkonzeptes. Mehrere Weinhändler – darunter Paasburg’s Wein Aus Leidenschaft, Viniculture und das Weing’schäft – nutzten weiterhin das ideale Kellerklima für die Lagerung ihrer Kostbarkeiten.

Ein besonderer Meilenstein war die vollständige Sanierung des sogenannten Schwank-Hauses mit rund 4.000 m² Fläche. Nach dem Auszug des Theaters „Zerbrochene Fenster“ und einer Phase des Leerstands, in der Teile der Substanz bereits stark gelitten hatten, wurde insbesondere das Dachgeschoss grundlegend neu aufgebaut und zu modernen Büroflächen entwickelt.
Der historische Bestand konnte so in eine neue Nutzungsepoche überführt werden. Damit war ein Niveau erreicht, das Mieter wie Management übereinstimmend als modernen, attraktiven und kommunikativen innerstädtischen Dienstleistungsstandort bezeichneten.

Sanierter Dachstuhl des Schwankhauses


Der spätere Verkauf eines großen Teils des Areals fiel der Familie nicht leicht. Die Entscheidung wurde über einen langen Zeitraum hinweg sorgfältig geprüft und abgewogen. Viele Gebäude waren inzwischen deutlich gealtert. Ein erheblicher Teil der Bausubstanz war nach dem Zweiten Weltkrieg unter Bedingungen der Materialknappheit lediglich provisorisch wiederaufgebaut worden.
Mit zunehmendem Alter traten die konstruktiven Schwächen dieser Zeit immer stärker hervor. Die technische Instandhaltung wurde aufwendig, die Bauqualität verschlechterte sich kontinuierlich, und ein wirtschaftlich nachhaltiger Betrieb des gesamten Geländes war langfristig nicht mehr möglich.
„Der Verkauf markierte keinen Abschluss, sondern den Übergang in eine neue Entwicklungsphase – mit dem Ziel, die Zukunft des Ortes dauerhaft zu sichern.“
— Dirk C. Kasten

Nach so vielen Jahrzehnten war für uns schnell klar, dass wir das Gelände nicht vollständig verlassen wollten. Als Unternehmen, aber auch ganz persönlich als Familie, fühlen wir uns diesem Ort weiterhin verbunden. Deshalb entstand der Wunsch, hier zu bleiben und die Entwicklung auf einem Teil des Grundstücks selbst weiterzuführen.
Natürlich geht man nach einer so langen gemeinsamen Geschichte nicht ohne Wehmut. Zu viele Erinnerungen und Lebensabschnitte sind mit diesem Gelände verbunden. Gerade daraus wuchs die Idee, einen neuen Baustein zu schaffen, der die für Kreuzberg typische Mischung aus Wohnen und Arbeiten weiterträgt. Beim Aushub für den Neubau kamen historische Kellergewölbe der alten Brauerei zum Vorschein – ein sichtbares Zeichen für die enge Verbindung zwischen Geschichte und neuer Bebauung.

Beim Aushub kamen historische Kellergewölbe der alten Brauerei zum Vorschein





Gemeinsam mit unserem Partner, der Bauwert AG, unserer Architektin Christa Fischer von Fischerinnen Architekten, den Designberatern Frank Weber und Andreas Krüger, unserem Bauleiter Herrn Sander von dBS aus Leipzig sowie Dr. Michael Müller von Weimer und Partner, der uns während des gesamten Prozesses als beratender Anwalt begleitet hat, entstand über mehrere Jahre hinweg ein Gebäude, das modernes Arbeiten und Wohnen selbstverständlich miteinander verbindet. Uns war wichtig, kein isoliertes Neubauprojekt zu schaffen, sondern ein Haus, das sich in das gewachsene Umfeld einfügt.
Flexible Büroflächen, helle Wohnungen mit Loggien und Balkonen sowie ein weiterhin offenes und lebendiges Gelände sollten den Charakter des Ortes aufnehmen und in die Zukunft führen.

Der Rohbau des Hauses Kasten-Mann wächst


Partner & Beteiligte
Auch die ökologische Ausrichtung spielte eine zentrale Rolle. Die Energieversorgung erfolgt über eine Wärmepumpe mit Ökostrom, die Büroflächen sind flexibel nutzbar, und die Wohnungen bieten Raum für unterschiedliche Lebensentwürfe – vom Studierenden bis zur Familie. Historisches Schwankhaus und Neubau treten dabei bewusst in Beziehung.

Architekturmodell



Die neuen Räume zeigen, wie sich Wohnen und Arbeiten am historischen Standort weiterentwickeln. Die Wohnungen sind hell, offen und auf unterschiedliche Lebensentwürfe ausgelegt. Die Architektur setzt auf klare Formen, eine markante Klinkerfassade und den bewussten Bezug zum bestehenden Ensemble.

Lichtdurchflutete Wohnungen mit Blick über Berlin


Mit der Fertigstellung des Hauses Kasten-Mann kehren wir mit unserem Immobilienberatungsunternehmen dauerhaft an diesen Ort zurück. Aus einem früher rein gewerblich genutzten Standort ist über viele Jahre hinweg ein lebendiges Stück Stadt entstanden. Es war wirtschaftlich ein erfolgreicher Weg – zugleich aber auch ein städtebaulicher Prozess, bei dem wir das Gefühl haben, ein kleines Stück Berlin mitentwickelt zu haben. Für Dirk C. Kasten schließt sich damit ein Kreis – von Kindheitserinnerungen in den Kellergewölben bis zur Weiterentwicklung eines der geschichtsträchtigsten Orte im Bergmannkiez.
„Vielleicht ist genau das das Schönste an diesem Ort: Er hat sich immer verändert – und ist sich dabei treu geblieben.“
— Dirk C. Kasten

Sehen Sie selbst, wie sich das Grundstück an der Schwiebusser Straße 16 seit 1928 verändert hat – aus der Vogelperspektive.

Unsere Broschüre aus dem Jahr 2013 dokumentiert die bewegte Geschichte des Areals – von der Gründung bis zur Sanierung. Jetzt als PDF herunterladen.
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