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    Historische Luftaufnahme des Bockbrauerei-Areals an der Schwiebusser Straße in Berlin-Kreuzberg
    Schwarz-Weiß-Darstellung der Luftaufnahme zur Hervorhebung des historischen Bockbrauerei-Areals
    Luftaufnahme des Bockbrauerei-Areals im Bergmannkiez aus erhöhter Perspektive
    Visualisierung des neugestalteten Bockbrauerei-Quartiers mit Wohn- und Bürobauten

    Berlin · Kreuzberg · Bergmannkiez

    Bockbrauerei& Haus Kasten‑Mann

    18382026

    Vom ersten Bockbier Berlins zum modernen Büro- und Wohnstandort – eine Familiengeschichte über Generationen im Herzen des Bergmannkiezes

    Ein persönliches Vorwort

    Ein Ort, der unsere Familie seit Generationen begleitet

    Das Gelände der Bockbrauerei begleitet mich und meine Familie seit vielen Jahrzehnten. Schon als Kind habe ich hier mit meinem Vater in den alten Kellergewölben Verstecken gespielt. Heute, viele Jahre später, bin ich selbst Unternehmer und durfte diesen Ort aktiv weiterentwickeln.

    Was heute ein attraktiver innerstädtischer Büro- und Wohnstandort in bester Kreuzberger Lage ist, blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Bereits im 19. Jahrhundert braute Georg Leonard Hopf hier das erste Bockbier Berlins. Nach der Einstellung der Bierproduktion 1920, den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und wechselnden Nutzungen begann 1955 ein neues Kapitel: Mein Großvater Walter Mann erwarb das Grundstück für die bereits 1918 gegründete Spedition seines Vaters Albert Mann.

    Später führten meine Eltern, Werner Kasten und Hannelore Kasten-Mann, die Spedition, bevor sie 1988 die Spedition verkauften und sich der Verwaltung und behutsamen Weiterentwicklung des Areals widmeten.

    Ab 2003 durfte ich selbst Verantwortung übernehmen. Mit viel Respekt vor dem Bestand, aber auch mit dem Anspruch, Neues zu schaffen, wurde das Schwank-Haus umfassend saniert, der Hof neu geordnet und aus dem Gewerbehof Schritt für Schritt ein lebendiger Bürostandort entwickelt.

    2016 folgte mit dem Verkauf eines Großteils des Geländes an Bauwert ein weiterer Meilenstein. Mir war wichtig, einen Teil des Areals im Familienbesitz zu halten und gemeinsam einen Ort zu schaffen, der zur typischen „Kreuzberger Mischung" aus Arbeiten und Leben passt. Das Ergebnis ist ein Büro- und Wohngebäude, das 2026 fertiggestellt wird – mit viel Liebe zum Detail und einem klaren Blick auf die zukünftigen Mieter.

    Mit unserem Immobilienberatungsunternehmen kehren wir 2026 dauerhaft an diesen Ort zurück. Für mich schließt sich damit ein Kreis. Diese Webseite erzählt die Geschichte dieses besonderen Geländes – und den Weg, den wir als Familie über Generationen hinweg gegangen sind.

    Dirk C. Kasten
    Bockbrauerei-Gelände vor dem Umbau – historisches Schwankhaus mit Hof
    1838Gegründet
    Who is Who

    Visionäre und Unternehmer

    Die Entstehung und Entwicklung der Bockbrauerei ist vor allem eine Geschichte aus ambitionierten Zielen, wirtschaftlichen Wagnissen und kühnen Entscheidungen. Immer hatten daran einzelne Personen maßgeblichen Anteil.

    Diese Menschen prägten den Ort – als Gründer, Unternehmer, Eigentümer, Betreiber und Entwickler.

    Porträt Georg Leonhard Hopf

    Georg Leonhard Hopf

    1799–1844

    Braute erstmals in Berlin bayerisches Bockbier und gründete 1838 die Bockbrauerei.

    Porträt Carl Heinrich Deibel

    Carl Heinrich Deibel

    Mitinhaber bis 1861

    Sohn der Witwe Hopfs aus erster Ehe. Führte die Bockbrauerei gemeinsam mit Johann Martin Deibel und der Mutter weiter.

    Porträt Johann Martin Deibel

    Johann Martin Deibel

    Mitinhaber bis 1861

    Führte die Bockbrauerei gemeinsam mit Carl Heinrich Deibel bis zum Verkauf des Unternehmens 1861.

    Porträt Albert Mann

    Albert Mann

    1879–1941

    Gründete 1918 die gleichnamige Spedition, die später eng mit dem Gelände der ehemaligen Bockbrauerei verbunden wurde.

    Walter Mann mit Tochter Hannelore Kasten-Mann und Ehefrau Edith Mann

    Walter Mann

    1906–1974

    Führte die Spedition seit 1929 und kaufte 1955 Teile des Betriebsgeländes der Bockbrauerei. Auf dem Foto (v. l.): Walter Mann, seine Tochter Hannelore Kasten-Mann und seine Frau Edith Mann.

    Hannelore Kasten-Mann und Werner Kasten

    Hannelore Kasten-Mann & Werner Kasten

    1974–2003

    Das Ehepaar übernahm 1974 gemeinsam die Leitung der Spedition und die Verwaltung des Grundstücks. Anfang der 1990er Jahre begann unter ihrer Führung die behutsame Sanierung des Geländes.

    Porträt Dirk C. Kasten

    Dirk C. Kasten

    Sohn von Hannelore Kasten-Mann und Werner Kasten. Trieb ab 2003 die schrittweise Sanierung des Geländes weiter voran.

    1800
    Die Geschichte

    Vier Epochen, ein Ort

    Von der Gründung 1838 bis zur Fertigstellung des Hauses Kasten-Mann 2026 – eine Reise durch fast zwei Jahrhunderte Berliner Geschichte

    1800
    1838–1920

    Die Brauereigeschichte

    1800–1838

    Am Tempelhofer Berg

    Noch um 1800 war die Gegend freies Feld, das zum Dorf Tempelhof gehörte. Auf dem Tempelhofer Berg stand eine Reihe von Windmühlen. Der heutige Mehringdamm existierte bereits lange als Landstraße und verband die damalige Doppelstadt Berlin-Cölln mit Dresden. Die heutige Bergmannstraße hieß bis 1837 Weinbergsweg – ein Verweis auf den früheren Weinbau auf der Tempelhofer Anhöhe. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war über die Entwicklung der Region als südliches Stadterweiterungsgebiet noch nicht entschieden.

    Tempelhofer Berg mit Windmühlen
    Tempelhofer Berg mit Windmühlen, freiem Feld und frühen Fabrikbauten
    1838
    1838

    Grundstück am Tempelhofer Berg

    Zu Beginn des 19. Jahrhunderts erfreute sich das bayerische, untergärige Bier auch in Berlin wachsender Beliebtheit – es galt der damals populären, obergärigen Berliner Weißen qualitativ deutlich überlegen. Untergäriges Bier reift bei niedrigen Temperaturen langsam aus, wird klarer, haltbarer und geschmacklich runder. Mit seinem Betrieb am Oranienburger Tor war Georg Leonhard Hopf der erste Brauer in Berlin und im Norden Deutschlands, der untergäriges Bier produzierte. Die Nachfrage wuchs so stark, dass er seine Kapazitäten vergrößern musste: 1838 erwarb er vom Preußischen Kriegsministerium für 800 Taler „Preußisch Courant“ das etwa vier Morgen große Grundstück am Tempelhofer Berg und errichtete dort eine neue, moderne Brauerei.

    1839
    1839/1840

    Erstes Bockbier am Tempelhofer Berg

    Etwa Ostern 1839 soll am Tempelhofer Berg das erste Bockbier ausgeschenkt worden sein – das erste, das je im Norden Deutschlands gebraut wurde. Die Berliner folgten dem Aufruf und zogen in Massen vor die Stadt, um, inmitten schlichter Bauten und groben Mobiliars, das beliebte Bier zu trinken und gesellig beisammen zu sein. Ein Jahr später, ab Frühjahr 1840, zelebrierte Hopf den jährlichen Bockanstich und etablierte damit die bayerische Tradition der Bockbierfeste in Berlin.

    Von Sonntag, den dritten Mai an wird in meiner Bierbrauerei auf dem Tempelhofer Berge das Bayrische Bier in Gläsern verabreicht. G. Hopf.

    Anzeige im Berliner Intelligenz-Blatt, 30. April 1840
    Biergarten der Bockbrauerei am Tempelhofer Berg
    Der Biergarten der Hopf’schen Bockbrauerei – ein beliebter Ausflugsort der Berliner vor den Toren der Stadt
    1840
    um 1840

    4.050 Hektoliter Bockbier

    1840 wurden in der Hopf’schen Bockbrauerei rund 4.050 Hektoliter Bockbier hergestellt. Bockbier ist ein Starkbier mit höherem Stammwürzgehalt – die Maische ist dickflüssiger, da weniger Wasser hinzugegeben wird. Sein Ursprung liegt im Mittelalter in der niedersächsischen Hansestadt Einbeck, deren obergäriges Bier als Luxusware bis nach Italien geliefert wurde.

    4.050Hektoliter Bockbier (1840)
    1842
    1842–1844

    Brand und Neuanfang

    Nach den anfänglichen Erfolgen zerstörte 1842 ein Brand den größten Teil der oberirdischen Gebäude. Die Produktion kam zum Erliegen. Doch der ehrgeizige Hopf schaffte es, mit den in kürzester Zeit neu errichteten Bauten den Betrieb noch im selben Jahr wieder aufzunehmen. Zwei Jahre später, am 30. April 1844, verstarb Georg Leonhard Hopf – angeblich an den Spätfolgen der Anstrengungen beim Löschen des Brandes.

    Berliner Bock-Brauerei um 1900
    Historische Ansicht der Berliner Bock-Brauerei
    1844
    1844–1861

    Familie Deibel: Dampfbetrieb und Wachstum

    Unter der Regie der Witwe Hopfs und ihrer Söhne Carl Heinrich und Johann Martin Deibel wurde die Brauerei mehrfach erweitert. 1855 wurde von Hand- auf Dampfbetrieb umgestellt, der Ausschankgarten 1856 vergrößert und eine Restauration eingerichtet. 1860 erreichte die Jahresproduktion des Lagerbieres mit ca. 15.000 Hektolitern fast die Hälfte des gesamten in Berlin produzierten Weißbieres.

    1861
    1861

    Verkauf an Ludwig Friedrich Ehrenreich

    Der jährliche Bierausstoß war auf über 20.000 Hektoliter angestiegen, als die Gebrüder Deibel das Unternehmen im Oktober 1861 für 210.000 Taler an den Hotelbesitzer Ludwig Friedrich Ehrenreich verkauften. Danach wurden die Firmengebäude erneut erweitert.

    1869
    1869/1870

    Der Schornstein stürzt ein

    Am 17. Dezember 1869 stürzte bei einem starken Sturm der noch neue, 96 Fuß (knapp 30 Meter) hohe Schornstein ein. Die Untersuchungen ergaben eine „ungenügende Tiefe der Fundamente“. Im darauf folgenden Jahr wurde ein neuer Schornstein gemauert – mit stärkerem Fundament und nur noch 85 Fuß, etwa 26 Meter hoch. Er steht bis heute an der Bauflucht der Schwiebusser Straße.

    Schornstein der Berliner Bock-Brauerei
    Der markante Schornstein der Berliner Bock-Brauerei (hinten links)
    1871
    1871

    Die Bockbrauerei wird Aktiengesellschaft

    Am 16. Februar 1871 verkaufte Ehrenreich die Bockbrauerei für 760.000 Taler – fast den vierfachen Preis der früheren Kaufsumme – an ein Konsortium, zu dem unter anderem Dr. Otto Hübner, der Fabrikant Hermann Reimann, Justizrat Johannes Justus Geppert sowie die Bankiers Julius Alexander und Meyer Cohn gehörten. Noch im April desselben Jahres wurde das Unternehmen in die Berliner Bock-Brauerei Actien-Gesellschaft umgewandelt.

    1883
    1883/1884

    Erweiterungsbauten und Eishebewerk

    In den Jahren 1883 und 1884 wurden umfangreiche Erweiterungsbauten vorgenommen. Es entstanden ein neuer Lagerkeller, ein Eishaus und eine Ladehalle; östlich des Mühlengrundstücks wurde eine Schmiede- und Böttcherwerkstatt erbaut. Im Mauerwerk im Einfahrtbereich war eine Steinplatte mit der Aufschrift „Erbaut 1883“ zu sehen. 1884 war der Bierausstoß auf 80.000 Hektoliter angestiegen.

    1890
    1890

    August Bebel spricht in der Bockbrauerei

    Neben Vergnügungen wurden die Säle der Bockbrauerei auch politisch genutzt. Insbesondere für die Berliner Arbeiterschaft und die sich entwickelnde Sozialdemokratie wurde die Bockbrauerei zu einem wichtigen Versammlungsort. Bei einem Arbeiterfest anlässlich des aufgehobenen Sozialistengesetzes trat am 30. September 1890 im überfüllten großen Saal August Bebel, Mitbegründer der deutschen Sozialdemokratie, als Redner auf.

    1892
    1892

    Aussichtsturm im Ausschankgarten

    Eine besondere Attraktion war der 1892 im Ausschankgarten errichtete vierzig Meter hohe Aussichtsturm. Die eiserne Konstruktion war möglicherweise vom Pariser Eiffelturm inspiriert, verfügte über einen Fahrstuhl und lockte eine Zeit lang viele Besucher an. Bereits 1897 wurde der Turm wieder demontiert und abgerissen.

    1911
    1911/1912

    Über 220.000 Hektoliter

    In der Saison 1911/12 war der Bierausstoß auf über 220.000 Hektoliter angestiegen – ein neuer Höchstwert in der Geschichte des Unternehmens. Damit erreichte die Berliner Bock-Brauerei AG nach Jahrzehnten kontinuierlicher Expansion ihren wirtschaftlichen Höhepunkt, bevor wenige Jahre später Krieg und Rohstoffmangel den Niedergang einleiten sollten.

    220.000+Hektoliter Bierausstoß (Saison 1911/12)
    Musikpavillon im Ausschankgarten
    1913
    1913

    75-jähriges Betriebsjubiläum

    Zum 75-jährigen Betriebsjubiläum am 8. Mai 1913 gab es noch Grund zum Feiern. Eine Festschrift erschien, die die bisherige Geschichte des Unternehmens mit unterhaltsamen Texten und zahlreichen Illustrationen wiedergibt. Um 1913 wurden vier Biersorten angeboten: Urbock-Versand, Urbock-Märzen, Original-Bockbier und Urbock-Lagerbier.

    Bockbrauerei Etikett 1
    Bockbrauerei Etikett 2
    Bockbrauerei Etikett 3
    Bockbrauerei Etikett 4
    Bockbrauerei Etikett 5
    Bockbrauerei Etikett 6
    Bockbrauerei Etikett 7
    Karikatur Urbock im Jahr 2000
    Urbock-Zukunftsbild im Jahre 2000 – Karikatur aus der Festschrift von 1913
    1914
    1914–1919

    Kriegsbedingter Niedergang

    Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges begann der wirtschaftliche Niedergang. Wie alle anderen Industriezweige musste sich auch die Brauwirtschaft auf die Kriegswirtschaft umstellen. Die allgegenwärtige Rohstoffknappheit beeinträchtigte die Bierqualität – es konnte nur noch dünnes Bier mit geringem Stammwürzgehalt hergestellt werden. Zahlreiche Angestellte wurden zum Kriegsdienst eingezogen, Pferde und Wagen des Fuhrparks von der Militärverwaltung beschlagnahmt.

    1920
    1920

    Ende der Bierproduktion

    Am 12. Juli 1920 fusionierte das Unternehmen mit der Schultheiss-Brauerei. Der Betriebsteil hieß nun Schultheiss-Patzenhofer Brauerei AG, Abt. Südwest. Wenige Monate später wurde die Bierproduktion auf dem Gelände eingestellt – überwiegend wegen des kriegsbedingten Absatzrückgangs und des Rohstoffmangels. Nach 80 wechselvollen Jahren endete die Geschichte des Bockbiers aus der Brauerei am Tempelhofer Berg.

    1920
    1920–1945

    Gewerbehof, Politik und Krieg

    1920–1933

    Ein Gewerbehof entsteht

    Nach dem Ende der Bierproduktion entwickelte sich das Gelände zum Gewerbehof. Verschiedene Firmen mieteten sich ein, darunter mehrere Speditionen, eine Glasfabrik, mechanische und chemische Werkstätten sowie eine Bottich- und Fassfabrik. Wesentlichen Einfluss auf die noch heute vorhandene Bebauung hatte eine Autoreparaturwerkstatt, die 1932 einzog und sich nach und nach über das gesamte Gelände ausbreitete. 1936 wurde die zum Teil heute noch bestehende Auffahrtrampe gebaut.

    Schultheiss-Patzenhofer-Fuhrwerk
    Schultheiss-Patzenhofer-Fuhrwerk vor der ehemaligen Bockbrauerei
    1933
    1933

    Johann „Rukeli“ Trollmann

    1907–1944

    Im Frühjahr 1933 war der sechsundzwanzigjährige Johann Trollmann ein bekannter und beliebter Boxstar. Sein eigenwilliger, beweglicher Kampfstil sorgte für Aufsehen. Am 9. Juni 1933 gewann er in der Berliner Bockbrauerei den Meisterschaftskampf gegen den schwereren Adolf Witt nach Punkten. Doch Trollmann war Sinto. Wenige Tage später wurde ihm der Meistertitel außerhalb des Rings „wegen armseligen Verhaltens“ aberkannt.

    Johann „Rukeli“ Trollmann

    Johann „Rukeli“ Trollmann

    1933
    1933–1945

    Nationalsozialistische Nutzung

    Spätestens ab 1933 nutzten die Nationalsozialisten das Produktions- und Vergnügungsgelände häufig für politische und militärische Zwecke. Bereits am 2. November 1925 hatte Joseph Goebbels im Saalbau einen Vortrag mit dem Thema „Lenin oder Hitler“ gehalten. Neben Tanz-, Theater- und Messeveranstaltungen fanden propagandistische Massenkundgebungen statt; auch Boxveranstaltungen wurden für die Propaganda instrumentalisiert.

    1918
    1918–1987

    Auf Bier folgen Wein und starke Tropfen

    1918

    Albert Mann gründet die Spedition

    Albert Mann gründete 1918 die gleichnamige internationale Spedition. Das Unternehmen war damals eine der wenigen Speditionen in Berlin, später die einzige, die auf den Transport großvolumiger Getränkefässer – vornehmlich voller Wein – spezialisiert war. Sein Sohn Walter Mann führte die Firma bereits seit 1929. Albert Mann verstarb nach langer Krankheit 1941.

    1945
    1945–1955

    Abriss, Teilung und Verkauf

    Schon bald nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann in den noch brauchbaren Gebäuden eine Zwischennutzung durch Gewerbebetriebe. 1951 wurden die meisten Ruinen abgerissen. 1955 wurde das Grundstück geteilt und von der Schultheiss AG verkauft. Das frei geräumte Saalbau- und Gartengelände im westlichen Teil erwarb der Berliner Senat und bebaute es 1959 mit dem Richard-Weiß-Seniorenheim.

    Brauereiruine mit Fässern
    Ehemaliges Betriebsgelände der Bockbrauerei in der Nachkriegszeit
    1945
    1945–1955

    Weintransporte als florierendes Geschäft

    Die Fässer von Weingütern im In- und Ausland kamen am Güterbahnhof Yorckstraße an, wo die Firma ihren Sitz hatte, wurden in den ehemaligen Brauereikellern zwischengelagert und an die örtlichen Abfüller und Händler ausgeliefert. In den zwanziger und dreißiger Jahren wurde der innerstädtische Transport großenteils noch mit Pferdewagen absolviert – eine Wagenladung von Kreuzberg nach Spandau dauerte einen ganzen Tag.

    Arbeit mit Weinfässern
    Weintransporte der Spedition Albert Mann
    1955
    1955

    Walter Mann erwirbt das Betriebsgelände

    Im September 1955 erwarb mein Großvater Walter Mann das frühere Betriebsgelände der Bockbrauerei für rund 300.000 Mark – damals eine erhebliche Summe und ein großes wirtschaftliches Wagnis angesichts der ungewissen Lage West-Berlins. Vor allem die Handhabung der schweren Wein- und Spirituosenfässer erforderte Spezialgerät und handwerkliche Erfahrung, über die in Berlin nur wenige Firmen verfügten. Nach der Teilung der Stadt war die Spedition Albert Mann schon bald die einzige Firma im Westteil, die diese Leistung anbot. Mit den ausgedehnten Kellergewölben der alten Bockbrauerei hatte das Unternehmen einen entscheidenden Standortvorteil.

    1955
    1955–1960

    Wiederaufbau für neue Nutzer

    Das Grundstück war zwar günstig zu erwerben, stellte aber wegen der ungewissen außenpolitischen Situation auch ein wirtschaftliches Risiko dar. Walter Mann ging optimistisch ans Werk und veranlasste bis 1958 eine Reihe von Baumaßnahmen. Teile des ehemaligen Pferdestalls wurden wieder zu Garagen umgebaut, und auf dem Grundriss des abgetragenen Brauereigebäudes entstand der Neubau einer Lagerhalle. Westlich davon wurde ein ebenerdiges Bürogebäude errichtet.

    Weinprüfung bei der Spedition Albert Mann
    Walter Mann bei einer Weinprüfung in den historischen Kellergewölben
    1964
    1964–1974

    Fässer kommen aus der Mode

    Bis 1964 gelangte der Wein aus den westdeutschen Anbaugebieten und internationalen Regionen überwiegend in Fässern nach Berlin – und bis dahin liefen die Geschäfte für die Spedition ausgesprochen gut. Rund 70 Beschäftigte hatte das Unternehmen in seiner Blütezeit. In den nachfolgenden Jahren wurde das gesamte Stückguttransportwesen modernisiert: Hebebühnen, Gabelstapler und tauschfähige Europaletten verringerten den Aufwand, sodass die Personalstärke auf 30 Mitarbeiter sank.

    Werner Kasten mit Gabelstapler

    Täglicher Betrieb der Spedition

    1970
    1970er

    Wodka, Weinbrand und Whisky

    Nicht nur Wein, auch Spirituosen machten in den unterirdischen Fasslagern der Bockbrauerei Station. Mit Tankzügen wurde polnischer und russischer Wodka aus Warschau und Moskau geholt und in der Bockbrauerei umgefüllt, darunter Zubrowka und Moskovskaja. Auch die Likör- und Spirituosenfabrik Fugger nutzte die Weinfässer im Keller, um Weinbrand herzustellen: Aus einer Brennerei bei Bremen wurde das Destillat geholt, ein halbes Jahr in den Eichenholzfässern gelagert und dann über eine unterirdische Pipeline zur Abfüllung in die Fabrik gepumpt.

    Whiskyfässer in den Kellergewölben
    Spirituosenlager in den historischen Kellergewölben
    1974
    1974

    Werner und Hannelore Kasten-Mann übernehmen

    Im Jahr 1965 heiratete der damals 27-jährige Werner Kasten die Tochter der Familie Mann, Hannelore Mann. Beide hatten sich während des Betriebswirtschaftsstudiums kennengelernt. Gemeinsam führten Werner Kasten und Hannelore Kasten-Mann die Spedition weiter; 1974 übernahm Werner Kasten die Leitung, als sich das Hauptgeschäft bereits auf Kartonware und Privatkunden verlagert hatte.

    1987
    1987

    Das Speditionsgeschäft bleibt im Stau stecken

    Anfang der Siebziger schaffte ein Fahrer noch rund 40 Kunden am Tag. 1987 kam er nur noch auf die Hälfte der Adressen und musste wegen der Parkplatznot ständig mit Strafzetteln und abgeschleppten Lastwagen rechnen. Es wurde immer schwieriger, profitabel zu arbeiten.

    Lkw der Spedition Albert Mann vor dem Schwankhaus, 1987

    Lkw der Spedition vor dem Schwankhaus

    1988
    1988–2026

    Transformation des Geländes

    1988–2003

    Behutsame Weiterentwicklung

    Nach dem Verkauf der Spedition begann für das Gelände eine neue Phase. Anstatt einer radikalen Neuentwicklung entschied sich die Familie bewusst für einen behutsamen Weg: Die vorhandene Substanz sollte erhalten, Schritt für Schritt saniert und mit neuem Leben gefüllt werden. Über viele Jahre hinweg wurde Gebäude für Gebäude instand gesetzt, Lücken wurden durch Neubauten geschlossen und an unterschiedliche Nutzer vermietet.

    2003
    2003

    Dirk C. Kasten übernimmt Verantwortung

    Dirk C. Kasten, Sohn von Hannelore Kasten-Mann und Werner Kasten, übernahm ab 2003 Verantwortung für die schrittweise Sanierung des Areals. Unter seiner Leitung wurde die Entwicklung den Anforderungen des Marktes und den Ansprüchen moderner Mieter folgend vorangetrieben.

    2003
    2003–2016

    Lebendiger Gewerbestandort

    Zwischen 2003 und 2016 erfolgte eine der umfangreichsten Modernisierungsphasen in der Geschichte des Geländes. Sämtliche Fassaden wurden überarbeitet und instand gesetzt. Gleichzeitig wurden insgesamt 13 veraltete Ölheizungen – die älteste stammte aus dem Jahr 1973 – stillgelegt und durch eine zentrale, ökologisch nachhaltige Pelletheizanlage ersetzt. Damit wurde frühzeitig ein wichtiger Schritt hin zu einer ressourcenschonenden Energieversorgung vollzogen.

    Bockbrauerei-Hof mit Gewerbenutzung
    Lebendiger Gewerbestandort Bockbrauerei
    2009
    2009–2011

    Sanierung des Schwankhauses

    Ein besonderer Meilenstein war die vollständige Sanierung des sogenannten Schwank-Hauses mit rund 4.000 m² Fläche. Nach dem Auszug des Theaters „Zerbrochene Fenster“ und einer Phase des Leerstands, in der Teile der Substanz bereits stark gelitten hatten, wurde insbesondere das Dachgeschoss grundlegend neu aufgebaut und zu modernen Büroflächen entwickelt.

    Sanierter Dachstuhl des Schwankhauses

    Sanierter Dachstuhl des Schwankhauses

    2019
    2019

    Verkauf und neue Entwicklungsphase

    Der spätere Verkauf eines großen Teils des Areals fiel der Familie nicht leicht. Die Entscheidung wurde über einen langen Zeitraum hinweg sorgfältig geprüft und abgewogen. Viele Gebäude waren inzwischen deutlich gealtert. Ein erheblicher Teil der Bausubstanz war nach dem Zweiten Weltkrieg unter Bedingungen der Materialknappheit lediglich provisorisch wiederaufgebaut worden.

    Der Verkauf markierte keinen Abschluss, sondern den Übergang in eine neue Entwicklungsphase – mit dem Ziel, die Zukunft des Ortes dauerhaft zu sichern.

    Dirk C. Kasten
    Historisches Schwankhaus neben Baustelle
    Historisches Schwankhaus und neue Entwicklungsphase
    2022
    2022

    Auf dem Gelände bleiben

    Nach so vielen Jahrzehnten war für uns schnell klar, dass wir das Gelände nicht vollständig verlassen wollten. Als Unternehmen, aber auch ganz persönlich als Familie, fühlen wir uns diesem Ort weiterhin verbunden. Deshalb entstand der Wunsch, hier zu bleiben und die Entwicklung auf einem Teil des Grundstücks selbst weiterzuführen.

    Aushub mit historischen Kellergewölben

    Beim Aushub kamen historische Kellergewölbe der alten Brauerei zum Vorschein

    2020
    2020–2026

    Vom Arbeitsort zum Lebensort

    Gemeinsam mit unserem Partner, der Bauwert AG, unserer Architektin Christa Fischer von Fischerinnen Architekten, den Designberatern Frank Weber und Andreas Krüger, unserem Bauleiter Herrn Sander von dBS aus Leipzig sowie Dr. Michael Müller von Weimer und Partner, der uns während des gesamten Prozesses als beratender Anwalt begleitet hat, entstand über mehrere Jahre hinweg ein Gebäude, das modernes Arbeiten und Wohnen selbstverständlich miteinander verbindet. Uns war wichtig, kein isoliertes Neubauprojekt zu schaffen, sondern ein Haus, das sich in das gewachsene Umfeld einfügt.

    Rohbau des Hauses Kasten-Mann

    Der Rohbau des Hauses Kasten-Mann wächst

    Partner & Beteiligte

    2020
    2020–2024

    Architektur und Energie

    Auch die ökologische Ausrichtung spielte eine zentrale Rolle. Die Energieversorgung erfolgt über eine Wärmepumpe mit Ökostrom, die Büroflächen sind flexibel nutzbar, und die Wohnungen bieten Raum für unterschiedliche Lebensentwürfe – vom Studierenden bis zur Familie. Historisches Schwankhaus und Neubau treten dabei bewusst in Beziehung.

    Architekturmodell

    Architekturmodell

    2025
    2025

    Bauabschluss und Innenräume

    Die neuen Räume zeigen, wie sich Wohnen und Arbeiten am historischen Standort weiterentwickeln. Die Wohnungen sind hell, offen und auf unterschiedliche Lebensentwürfe ausgelegt. Die Architektur setzt auf klare Formen, eine markante Klinkerfassade und den bewussten Bezug zum bestehenden Ensemble.

    Wohnung im Haus Kasten-Mann

    Lichtdurchflutete Wohnungen mit Blick über Berlin

    2026
    2026

    Fertigstellung Haus Kasten-Mann

    Mit der Fertigstellung des Hauses Kasten-Mann kehren wir mit unserem Immobilienberatungsunternehmen dauerhaft an diesen Ort zurück. Aus einem früher rein gewerblich genutzten Standort ist über viele Jahre hinweg ein lebendiges Stück Stadt entstanden. Es war wirtschaftlich ein erfolgreicher Weg – zugleich aber auch ein städtebaulicher Prozess, bei dem wir das Gefühl haben, ein kleines Stück Berlin mitentwickelt zu haben. Für Dirk C. Kasten schließt sich damit ein Kreis – von Kindheitserinnerungen in den Kellergewölben bis zur Weiterentwicklung eines der geschichtsträchtigsten Orte im Bergmannkiez.

    Vielleicht ist genau das das Schönste an diesem Ort: Er hat sich immer verändert – und ist sich dabei treu geblieben.

    Dirk C. Kasten
    Haus Kasten-Mann aus der Luft
    Haus Kasten-Mann nach Fertigstellung
    Damals & Heute

    Luftbilder im Zeitvergleich

    Sehen Sie selbst, wie sich das Grundstück an der Schwiebusser Straße 16 seit 1928 verändert hat – aus der Vogelperspektive.

    Luftbild 2026
    2026
    100%
    Zum Nachlesen

    Die Geschichte der Bockbrauerei

    Unsere Broschüre aus dem Jahr 2013 dokumentiert die bewegte Geschichte des Areals – von der Gründung bis zur Sanierung. Jetzt als PDF herunterladen.

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    Bockbrauerei & Haus Kasten‑Mann

    Von der ersten Brauerei für Bockbier in Berlin zum modernen Büro- und Wohnstandort im Herzen des Bergmannkiezes – eine Familiengeschichte über Generationen.

    18382026

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    Schwiebusser Str. 16

    10965 Berlin-Kreuzberg

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